Geschätzte Steuern: Wann Sie zahlen müssen
Geschätzte Steuern sind eine der häufigsten Stolperstellen für Selbstständige und Freiberufler. Wir erklären dir genau, wann die Zahlungen fällig sind, wie hoch sie ausfallen und welche Konsequenzen Verspätungen haben.
Was sind geschätzte Steuerzahlungen?
Geschätzte Steuern sind Vorauszahlungen auf deine zu erwartende Steuerschuld. Das Finanzamt schätzt dein Einkommen für das laufende Jahr und teilt dir mit, welche Beträge du in vier Raten zahlen musst. Das klingt kompliziert, aber es ist eigentlich ziemlich einfach: Du bezahlst nicht erst am Ende des Jahres eine große Summe, sondern verteilst die Zahlungen über das Jahr.
Die meisten Selbstständigen müssen sich damit auseinandersetzen. Besonders tückisch ist, dass das Finanzamt diese Schätzung auf Basis deiner letzten Steuererklärung macht — nicht auf Basis deiner tatsächlichen aktuellen Einnahmen. Das kann zu Überraschungen führen, wenn dein Einkommen stark schwankt.
Die vier Zahlungstermine im Jahr
Das Finanzamt verteilt die geschätzten Steuern auf vier Zahlungstermine. Hier sind die genauen Fristen:
März
Die erste Rate ist immer bis zum 10. März fällig. Das ist nur zehn Tage nach Jahresbeginn — viele Selbstständige vergessen diese frühe Frist.
Juni
Die zweite Zahlung ist bis zum 10. Juni fällig. Wenn du selbstständig bist und dein Geschäft im Sommer läuft, könnte es gerade dann eng werden.
September
Die dritte Rate wird bis zum 10. September erwartet. Das ist genau zur Zeit der Sommerferien — nicht immer einfach zu planen.
Dezember
Die letzte Rate ist bis zum 10. Dezember fällig. Viele nutzen die Gelegenheit, ihre Bilanz schnell noch zu korrigieren, bevor die Frist verstreicht.
Wie wird die Schätzung berechnet?
Das Finanzamt nimmt deine letzte Steuererklärung und kalkuliert damit deine voraussichtliche Steuerlast für das kommende Jahr. Klingt fair, aber es gibt ein großes Problem: Falls dein Einkommen gesunken ist, zahlst du trotzdem zu viel. Falls es gestiegen ist, zahlst du zu wenig.
Ein praktisches Beispiel: Dein letztes Steuerjahr hatte ein Einkommen von 50.000 Euro mit einer Steuerschuld von 8.000 Euro. Das Finanzamt schätzt für dieses Jahr also 2.000 Euro pro Quartal. Aber du hast nur 30.000 Euro verdient? Pech — du zahlst trotzdem 8.000 Euro im Jahr und bekommst das Geld erst zurück, wenn du deine Steuererklärung einreichst.
Die Berechnung ist also nicht individuell auf deine aktuelle Situation zugeschnitten. Sie folgt einem standardisierten System, das von Ort zu Ort leicht unterschiedlich sein kann.
Was passiert bei verspäteter Zahlung?
Wenn du die Frist verpasst, wird es unangenehm. Das Finanzamt ist da nicht großzügig:
Säumniszinsen
Für jeden Tag, den deine Zahlung zu spät kommt, berechnest das Finanzamt Säumniszinsen. Aktuell sind das 0,5% pro Monat. Das klingt nicht viel, aber bei 2.000 Euro sind das schnell 10 Euro pro Monat extra.
Mahngebühren
Nach einer bestimmten Frist sendet dir das Finanzamt eine Mahnung. Dafür fallen Mahngebühren an — aktuell zwischen 5 und 10 Euro pro Mahnung. Wenn mehrere Raten ausstehen, können sich die Gebühren schnell summieren.
Strafzinsen und Vorwürfe
Bei wiederholten Verspätungen kann das Finanzamt Strafzinsen verhängen oder sogar Vorwürfe der Hinterziehung erheben. Das ist ernst — es kann zu rechtlichen Konsequenzen führen, die über Geldstrafen hinausgehen.
Bankeinzug und Zwangsvollstreckung
Wenn die Schuld zu lange ausstehen bleibt, kann das Finanzamt dein Konto belasten oder sogar ein Zwangsvollstreckungsverfahren einleiten. Das beeinträchtigt deine Bonität und kann zukünftige Kredite unmöglich machen.
Wie du deine Zahlungen optimieren kannst
Es gibt verschiedene Strategien, um mit geschätzten Steuern besser umzugehen. Die wichtigste ist, rechtzeitig zu handeln und nicht zu warten, bis es zu spät ist.
Antrag auf Herabsetzung einreichen
Wenn dein Einkommen gesunken ist, kannst du beim Finanzamt einen Antrag auf Herabsetzung der geschätzten Steuern stellen. Du brauchst dafür aktuelle Zahlen — zum Beispiel deine Gewinn- und Verlustrechnung für die ersten Monate des Jahres. Das kann dir hunderte Euro sparen.
Terminkalender führen
Notiere dir die vier Termine — 10. März, 10. Juni, 10. September, 10. Dezember — in deinen Kalender. Am besten zwei Wochen vorher, damit du noch Zeit zum Überweisen hast. Manche Selbstständige richten sich sogar Daueraufträge ein, um sicherzugehen.
Mit einem Steuerberater arbeiten
Ein Steuerberater kann dir bei der optimalen Planung helfen. Er kennt alle Tricks, um deine Steuerlast zu senken, und sorgt dafür, dass du keine Termine verpasst. Die Kosten für diese Beratung sparen sich oft schnell selbst.
Das Wichtigste zusammengefasst
Geschätzte Steuern sind Vorauszahlungen, die du in vier Raten zahlst. Die Termine sind hart — jeweils am 10. März, Juni, September und Dezember. Das Finanzamt berechnet die Höhe auf Basis deiner letzten Steuererklärung, nicht auf Basis deiner aktuellen Einnahmen. Das ist das Tückische daran.
Pünktlichkeit ist nicht verhandelbar
Wenn du einen Tag zu spät zahlst, fallen Säumniszinsen an. Das ist kein Vorwurf — es ist Fakt. Selbst zwei Wochen Verspätung können zu merklichen Zusatzkosten führen.
Du kannst die Zahlungen senken
Wenn dein Einkommen gesunken ist, reiche einen Antrag auf Herabsetzung ein. Das ist völlig legal und kann dir viel Geld sparen. Das Finanzamt wird nicht weniger mit dir verhandeln — aber du kannst mit Dokumenten nachweisen, dass die Schätzung zu hoch ist.
Planung ist dein bester Freund
Führe einen Kalender, plane die Zahlungen in dein Cashflow-Management ein und rede mit einem Steuerberater. Es klingt aufwändig, aber es ist der einzige Weg, um Überraschungen zu vermeiden.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel bietet informative Orientierung zum Thema geschätzte Steuern und Vorauszahlungen. Die Informationen basieren auf allgemein geltenden Regelungen, können sich aber je nach Bundesland und persönlicher Situation unterscheiden. Dieser Artikel stellt keine Steuerberatung dar. Bei Fragen zu deiner konkreten Steuersituation konsultiere bitte einen qualifizierten Steuerberater oder dein zuständiges Finanzamt.